Blogtext 45 Bild Bauchgefühl KW 21

Leben in einer privilegierten Zeit:

noch nie war unsere Lebensmittelauswahl größer und so dauerhaft präsent und verfügbar wie heute. 24 Stunden - alles was wir wollen. Immer neue Kreationen und Fleisch für alle; klar 7 Tage die Woche, 3 mal täglich.
 Und während es in Zeiten der Lebensmittelknappheit schick war möglichst viele Wohlstandspfunde mit sich herumzutragen und zur Schau zu stellen, haben wir heute den umgekehrten Trend. Wer es sich leisten kann ist fit, schlank, trainiert, ewig jung und…und sucht sich seine Ernährung und die entsprechend dazugehörigen Lebensmittel aus. Identifikation über den Ernährungsstil. Gefühlte Kontrolle und Eingrenzung in einer Zeit der Reizüberflutung.

Soweit so gut. Muss ja jetzt erstmal auch per se nichts Schlechtes sein.

Sich grundsätzlich mit seiner Gesundheit auseinanderzusetzen: wundervoll; darauf zu achten kein Glöckner vorm dem Laptop zu werden: ja, sehr gut. Eine Möglichkeit mit echten Nahrungsmittelunverträglichkeiten heute gut Leben zu können: für jeden Betroffenen ein Segen.

Nur tut uns der Trend oder der Weg, den wir dann gegebenenfalls für uns ausgesucht haben auch wirklich gut?

Also so mit Haut und Haar? Oder sagt uns unser Kopf und unser Trendbewusstsein, dass Paleo, Vegan, Low Carb, No Carb, Glutenfrei, Laktosefrei & Co. gerade die richtige Wahl für uns sind? Ist am Ende vor allem der kleine Kontrollfreak in uns der Profiteur? 
Das soll eine Ermutigung sein Ernährungstrends und Superfoodsempfehlungen nicht einfach blind zu folgen.

Beschäftigt euch damit (oder fragt mich gerne), probiert aus - und dabei versucht gleichzeitig so genau wie möglich wahrzunehmen, ob euch „das Neue“ (und damit meine ich wirklich ganzheitlich: körperlich, seelisch und mental) wirklich zuträglich ist! Verändert sich wirklich etwas zum Guten? Verbessert sich dein Körpergefühl? Oder merkst du eigentlich nichts oder vielleicht sogar negative Entwicklungen, die dauerhaft anhalten, doch dein Kopf sagt dir, dass es doch einfach gut sein muss?

Sei so ehrlich zu dir selbst, tu dir den Gefallen und zeige Selbstliebe indem du dich beobachtest und so vielleicht auch den ein oder anderen gut gemeinten Versuch für dich wieder ruhen lässt.

Bei all dem gilt aber auch: mal kurz etwas auszuprobieren bringt in den seltensten Fällen etwas.

Du hast deinen Körper lange mit anderen Gewohnheiten leben lassen, also erwarte an dieser Stelle keine Wunder, wenn du deine Ernährung mal für ein paar Tage voller Motivation änderst. Gib ihm Zeit, gib dir Zeit und entscheide dann, ob dir die Zeit Positives, Nichts oder Negatives gegeben hat.

Gleiches gilt übrigens auch für unseren Geschmack.

Der ist nämlich ganz fantastisch konditioniert. Je nachdem was unsere Mutter schon in der Schwangerschaft gegessen hat, wir als Kinder auf den Teller bekommen haben oder auch in Form von Milchpulver verabreicht bekommen haben (Anm: Hersteller mischen in Milchpulver für Babys bereits Aromastoffe, die wir dann später auch in anderen industriell gefertigten Lebensmittel wiederfinden…) - das alles hat uns geprägt und bestimmt auch heute häufig was, wann, wie viel und warum wir essen.

Das heißt?

Das heißt, dass Emotionen unser Essen ganz stark beeinflussen. Ein Bespiel: Wir sind traurig? Dann hilft oft ein Geschmack oder ein bestimmtes Lebensmittel, das uns auch schon als Kind getröstet hat.
 Und genau hier möchte ich euch dazu anregen euch mal selbst unter die Lupe zu nehmen. Welches Essen oder welche Lebensmittel genießt du wirklich? Oder andersherum gefragt: was isst du vielleicht einfach nur aus bloßer Gewohnheit, Routiniertheit oder auch Faulheit? Was isst du, weil es dich an schöne Momente erinnert und dich in eine wohlige Decke von Geborgenheit damit umhüllt? Und auch hier andersherum gefragt: was könnte dir (außer Essen) vielleicht ein ganz ähnliches Gefühl geben, dass du dir dann aber selbst schaffst?

Unsere Ernährung ist ein großes Thema. Und eben nicht so eindimensional, wie man vielleicht manchmal meinen mag.

Es ist nicht nur Essen in den Mund schieben. Es ist so viel mehr - vor allem in der Jetztzeit. Sich in einer Zeit der 1001 Möglichkeiten seinen eigenen Weg zu suchen und den zu gehen ist dabei mit unser größtes Privileg. Sucht euch also weise aus, wie dieser Weg aussehen soll: voller Freude, Lust & Zugewinn oder blinder Restriktion.

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