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Kennt ihr den Jingle aus der du darfst Werbung? ,„Ich will so bleiben wie ich bin“ - mit Halbfettbutter und Fettfreikäse?

Ist das die Art, die Form wie ich bleiben will? Oder ein Korsett in das ich versuche zu passen und deshalb an den Zauber von Lightprodukten glaube? Essen, genießen, leben, einfach tun - das alles ohne schlechtes Gewissen. Aber muss ich das denn haben, wenn ich normal esse? Oder geht es gar nicht darum, dass ich so bleiben will als viel mehr darum, dass ich so bleiben soll? Oder muss ich so bleiben? Wie viel Vorgabe passiert eigentlich von außen?

 

Ich schmeiße euch direkt ins Geschehen. Was mich zu diesem Beitrag gebracht hat, schreibt das /mein Leben.

12 Monate nachdem ich meinen tollen Sohn zur Welt gebracht habe und langsam aber sicher wieder meinen Körper meinen Körper nennen darf, all die kleinen und größeren Veränderungen lerne zu akzeptieren, liege ich am Strand. Wenn ich mich umschaue, sehe ich ( in diesem speziellen Falle ) viele Frauen, auch Mamas, die aussehen als ob sie so etwas wie eine Schwangerschaft nie mitgemacht hätten: flachere, straffere Bäuche denn je, größere, drallere Brüste als in ihrer besten Jugend - und offensichtlich auch nicht von Mutter Natur gesegnet sondern mit etwas Hilfe der modernen Medizin. Fair enough. Jeder darf entscheiden was er wann in welchem Umfang machen will und dennoch komme ich nicht umher ins Nachdenken zu kommen, ob nun wohl eine Gesellschaft, wie eine in der wir uns befinden, auch mir indirekt vorgibt auch so aussehen zu müssen. In einer Gesellschaft in der der Begriff „Post-Baby-Makeover“ angekommen ist. Kind ja; so aussehen: auf gar keinen Fall. Oder? Wie viel kann ich also wirklich selbst entscheiden?

 

Dieses ominöse „Ich habe mich halt nicht wohlgefühlt und deshalb habe ich dieses und jenes unternommen“ - ist das wirklich das „Ich“?

Oder eben mehr der subtile aber stete Einfluss von außen, der mich irgendwann glauben lässt, dass „ich“ es bin, die sich dieser körperlichen Veränderung / Korrektur/ Anpassung entgegen sehnt. Ein paar Kilos verlieren - die Frage ist für wen? Sich wohlfühlen wollen: jap. Am Strand anderen Leuten gefallen wollen: falsche Motivation. Dann lieber am Selbstwert statt am Körper arbeiten. Dabei ist das Phänomen „gut aussehen“ zu wollen generationsübergreifend zu sehen. Oma goes for Ananas Diät aus der royalen Wochenzeitschrift, Mama goes for Weight Watchers, weil das hat ihre Freundin auch schon mal gemacht and Teeny goes nocarb: das sagt nämlich die Lady, der sie auf Instagram folgt.

Ich bin pro gesunde Ernährung und Co. - aber ich möchte auch für Natürlichkeit sein und ertappe mich selbst dabei wie es mir schwerer gemacht wird als es vielleicht eigentlich sein müsste.
 Die Suche nach Wohlgefühl ist absolut nachvollziehbar. Gleichzeitig Achtung bei der Definition von Wohlgefühl - oder vielleicht lohnt sich der genauere Blick dorthin. Das gilt für Überambition genauso wie für zu viel Laisser-faire.
Erst vor Kurzem hat eine Autorin der ZEIT mit ihrem Artikel über das Muss zum Botox für Furore gesorgt. Ihre These: Männer stehen auf Natürlichkeit - aber nur dann, wenn diese trotzdem jugendliche (Wunder-)Schönheit bedeutet. Ihr Fazit: als Frau kommt man nicht umher sich früher oder später einer Schönheitsreparatur zu unterziehen. Okay... Ein Kommentar einer Leserin, das mir nicht aus dem Kopf ging war, dass es wohl weniger die Männer sind die zu o.g. Phänomen führen als vielmehr die Frauen unter sich, die oft mit Vergleichen und dem Quäntchen Missgönnen zur vermuteten Konkurrenz in den eigenen Reihen aufstacheln.


Umso wichtiger, dass es solche Dokumentationen wie die von Taryn Brumfitt gibt. Sie zeigt mit ihrem Film „Embrace“ auf, wie wenig es sie ihrem Glück wirklich näher gebracht hat als sie an der Spitze ihrer Körperoptimierung angekommen war. Nach Schwangerschaft und Übergewicht zum Bikiniwettbewerb. Und dann? Der Endorphinausschuss bleibt aus. Die Moral von der Geschicht´: Aussehen ist nicht alles. Und so oll und wenig innovativ das klingen mag, so wichtig ist es es wieder und wieder und wieder zu sagen!

Dabei bedeutet sich zu umarmen nicht, gar nicht, sich gehen zu lassen oder sich nicht zu pflegen. Das Gegenteil ist der Fall.

Jedoch muss man hinterfragen: wie viel Ehrgeiz ist gesund und wann stehen wir uns damit eigentlich selbst im Weg?
 Wo fängt der Körperkult an und ist die Gesundheit damit gegebenenfalls eventuell sogar in Gefahr? Embrace bedeutet also auch an einem gewissen Punkt streng mit sich selbst ins Gericht zu gehen und Stopp zu dem zu viel der Selbstoptimierung zu sagen.

Ganz groß und dick muss geschrieben werden: ES GEHT DARUM GESUND ZU WERDEN/SEIN/BLEIBEN. Und zum Thema Fremd- & Eigenwahrnehmung könnte man Doktorarbeiten schreiben, wie meine damalige Dozentin schon ganz richtig immer wieder sagte.


Ganz knapp zusammengefasst: ein Zuviel von was auch immer ist nicht gut -

egal ob Kilos oder Gedanken zum eigenen Aussehen. Dick ist nicht gesund. Kopfkrieg auch nicht. Genauso wie eben zu viel „Scheiß-drauf“ Einstellung oder sich selbst geißelnder Ernährungs-& Sportfanatismus langfristig dann zum Problem werden können. Schon meine Oma pflegte immer zu sagen: die Summe machts & der goldene Mittelweg ist selten der Falsche. Ich ergänze: achte auf dich. Das betrifft alle Belange. Daher verpasse nicht den Moment zu genießen, weil du gerade einer anderen Frau mit flacherem Bauch und größeren Brüsten hinterhersiehst (Anm.: oder eben dem männlichem Äquivalent).

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